Am 22. September 2012 wurde im Augustinerkloster zu Erfurt der 7. Thüringer Hospiz- und Palliativtag durchgeführt. Über 250 Teilnehmer setzten sich an diesem Tag, der alle zwei Jahre veranstaltet wird, mit der Frage auseinander, was an der Begleitung und Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen belastend sein kann und wie wichtig eine richtige Selbtstfürsorge in diesem Zusammenhang ist.
Pfarrer Torsten Ernst, Vorsitzender des Thüringer Hospiz- und Palliativverbands, stellte in seinem Vortrag zur Bedeutung von Selbstfürsorge einen falsch verstandenen Begriff von Barmherzigkeit in die Mitte seiner Betrachtungen. Ausgehend vom biblischen Gleichnis vom barmherzigen Samariter, dem mittelalterlichen Verständnis von den sieben Taten der Barmherzigkeit und den sieben Kardinaltugenden nach Platon betonte Ernst, dass Voraussetzung für eine gelingende Selbstfürsorge ist, dass Herz und Kopf in allem Helfen beisammen bleiben.
Monika Müller stellte in ihrem ersten Vortrag die preisgekrönte Studie „Wie viel Tod verträgt das Team? Eine bundesweite Befragung von Palliativstationen und Hospizen in Deutschland“ vor. Dabei stellte sie in den Mittelpunkt, wie wichtig es für die Arbeit im hospizlichen Kontext ist, immer wieder auf die selbststärkenden Momente zu achten, Resilienzfaktoren herauszuarbeiten und im Alltag umzusetzen.
In ihrem zweiten Vortrag zum Thema Trauer, den Frau Müller in Vertretung für den erkrankten Referenten, Fritz Roth, Gründer der Trauerakademie Bergisch Gladbach, hielt, setze sich Müller kritisch mit den Begriffen „Verarbeitung“ und „Bewältigung“ von Trauer auseinander. Trauer sei ein natürliches Gefühl, das ausgedrückt und durchlebt werden will. Trauer sei keine Krankheit, jedoch könne sie krank machen, wenn sie unterdrückt und vermieden wird.
Fritz Roth hatte die Teilnehmer des 7. Hospiztages in einem berührenden Grußwort, in dem er von seinen Erfahrungen mit seiner Krebserkrankung sprach, ermutigt, den Tod als Lehrmeister für das eigene Leben und Sterben aufzufassen.
Insgesamt machte der 7. Thüringer Hospiztag auch durch seine erheblich gewachsene Teilnehmerzahl deutlich, wie wichtig eine gute und herzliche hospizliche Versorgung in unserem Land ist. Dort wo menschliche Sterbebegleitung erfahren wird, verstummt in der Regel die Bitte um Hilfe zum Suizid und wird der Raum geschlossen für das derzeitig intensiv diskutierte Angebot gewerblicher Beihilfe zum Suizid.
Deshalb dankte Ernst in seinen abschließenden Worten den über 1200 ehrenamtlichen und zahlreichen hauptamtlichen Mitarbeitern, die Tag für Tag schwerstkranke und sterbende Menschen, aber auch ihre Angehörigen, in ganz Thüringen engagiert betreuen.
Der Thüringer Hospiz- und Palliativverband (THPV) wurde als Dachverband von fast 40 ambulanten und stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen mit über 1.200 Ehrenamtlichen im Jahre 1996 gegründet. Er vertritt deren Interessen und die Belange der schwerstkranken und sterbenden Menschen gegenüber Politik und Gesundheitswesen.