Thüringer Hospiz- und Palliativverband (THPV) e.V.

Logo THPV e.V.
Headerbild

Aktuelles


Teilhabe — bis zuletzt - Ein Fachtag des Thüringer Hospiz- und Palliativverbandes 8. Mai 2020

Teilhabe — bis zuletzt - Ein Fachtag des Thüringer Hospiz- und Palliativverbandes 8. Mai 2020Teilhabe — bis zuletzt
Ein Fachtag des Thüringer Hospiz- und Palliativverbandes

für Mitarbeitende in Wohnformen
für Menschen mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung

Mehr Informationen finden Sie in der PDF-Datei.
erstellt am 24.09.2019


Weiterbildung zur beratenden Palliativkraft

Weiterbildung zur beratenden PalliativkraftDie Akademie im THPV biete ab 2020 eine Weiterbildung zur beratenden Palliativkraft an.

Weitere Informationen finden Sie in der PDF-Datei.
erstellt am 24.09.2019


Auszeichnung Junges Ehrenamt

Auszeichnung Junges EhrenamtPressemitteilung

"Da ist etwas in Bewegung"

Bundesfamilienministerin zeichnet junge Menschen aus, die sich in der Hospizarbeit engagieren — Zwei Ehrenamtliche aus Thüringen im Gespräch

Erfurt, 18. April 2019. Kathleen Stichling aus Gotha und Volker Sondermann, Student in Weimar, sind seit mehreren Jahren ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig. Sie gehörten, gemeinsam mit fünf weiteren Ehrenamtlichen aus Thüringen, zu einer Gruppe von 95 jungen Menschen, die Anfang April von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey nach Berlin zu einer Festveranstaltung eingeladen wurden. Unter dem Motto Letzte Wege begleiten. Mehr als ein Ehrenamt war die Feier der Auftakt für eine Initiative, die dem Ehrenamt in der Hospizarbeit und der Palliativversorgung zu mehr Anerkennung verhelfen soll.

Partner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bei dieser Initiative sind der Deutsche Hospiz- und Palliativverband, die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin und die Bundesärztekammer — also die drei Träger der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland.

Bei der Feier erhielten die jungen Ehrenamtlichen sogenannte Anerkennungsurkunden: Das Dokument würdigt ihr Engagement und ermöglicht es ihnen, die erworbenen Kenntnisse im weiteren Leben nachzuweisen — etwa bei Bewerbungen für eine Ausbildung, einen Studienplatz oder einen Job. Diese Urkunde erhalten auch die vielen weiteren jungen Ehrenamtlichen, die in Deutschland in der Hospizarbeit aktiv sind. In Thüringen sind es derzeit mehr als 50, die unter 30 Jahre alt sind.

Um im Hospizdienst ehrenamtlich tätig zu sein, ist ein qualifizierter Vorbereitungskurs Voraussetzung, der etwa hundert Stunden umfasst. Ihn haben auch die 29-jährige Kathleen Stichling und der 28-jährige Volker Sondermann absolviert. Über ihre persönliche Motivation und das, was sie aus Berlin mitgenommen haben, berichten die beiden Thüringer Ehrenamtlichen im Gespräch.

Wie haben Sie die Feier erlebt?

Kathleen Stichling: Es war sehr festlich und ehrwürdig. Wir waren im Berliner Umweltforum, einer ehemaligen Kirche in der Nähe des Alexanderplatzes, die für Veranstaltungen genutzt wird. Ich habe mich durch das ganze Ambiente und die Feier sehr wertgeschätzt gefühlt.

Volker Sondermann: Wir hatten alle direkt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Ein spezieller Geist, der von Anfang an da war. Das Programm war cool, und mir hat es super gefallen, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Was haben Sie aus den Gesprächen mit anderen jungen Ehrenamtlichen mitgenommen?

VS: Vor allem, dass wir uns wünschen, das Sterben möge wieder Einzug in unser Leben halten. So, wie die Geburt eine Begleitung ins Leben braucht, so braucht das Sterben eine Begleitung hinaus: Das ist vielleicht so etwas wie ein gemeinsames Credo. Außerdem hat mich manche persönliche Geschichte sehr berührt. Da wirkt einiges immer noch nach.

KS: Ich hätte auch einen ganzen Tag nur mit Gesprächen verbringen können. Es war toll zu sehen, dass die Hospizarbeit nicht mehr nur ein Ehrenamt für ältere Generationen ist. Sondern dass da etwas in Bewegung ist unter jungen Menschen. Und andere haben tolle Ideen, wie sie die Hospizidee wieder in der Gesellschaft verankern können.

Ein konkretes Beispiel?

KS: Die Oldenburger beispielsweise haben eine Fahrradtour gemacht, die von der Presse begleitet wurde. Sie probieren außerdem aus, die Begleitung durch Mail-Austausch zu ergänzen. Das ist ja gerade für junge Menschen interessant. Mir ist durch die Gespräche auch klar geworden, dass wir in Thüringen gut auf-gestellt sind. Die ehrenamtliche Hospizarbeit ist hier schon sehr anerkannt.

Was war für Sie der Auslöser, sich in der Hospizarbeit zu engagieren?

KS: Als ich 18 war, hat sich mein damaliger Freund das Leben genommen. Das war ein grauenhaftes Erlebnis, das mich lange belastet hat. Während des Medizinstudiums habe ich dann von diesem Ehrenamt erfahren. Nach dem ersten Kontakt zum Ambulanten Hospizdienst in meiner Heimatstadt Gotha war klar: Das ist es. Das kann mir helfen, dem Erlebten etwas entgegenzusetzen. Einen anderen Blick auf den Tod zu bekommen und gleichzeitig etwas Sinnhaftes zu tun.

VS: Ich habe mich in den letzten Semestern meines Philosophiestudiums intensiver mit dem Tod und dem Nichts auseinandergesetzt. Dann las ich in einem Magazin einen Beitrag über Sterbebegleitung. Das hat mich sofort angesprochen und schien wie eine praktische Ergänzung zur Theorie zu sein. Ich habe noch ein paar Monate nachgedacht und dann den Kurs zum Hospizbegleiter in Leipzig begonnen.

Vermutlich ist Ihr Leben ziemlich gefüllt — wie passt da ein Ehrenamt hinein?

VS: Stimmt, in meinem Leben ist es ganz schön dicht. Ich studiere momentan Medienkunst im Master an der Bauhaus-Uni und möchte als freischaffender Künstler und Musiker arbeiten. Im Kulturbetrieb herrscht großer Druck und alle Leute arbeiten viel. Aber gerade weil ich da einen großen Drang sehe, sich selbst zu verwirklichen, finde ich es so wichtig, auch einen anderen Raum zu schaffen. Einen, in dem ich komplett für einen anderen da bin.

KS: Durch meine Arbeit als Ärztin liegen die Themen Sterben und Tod vielleicht näher. Ich bin gerade in einem Projekt zur Palliativmedizin an der Uni Jena aktiv und setze anschließend meine Facharztausbildung fort. Dabei möchte ich mich auch weiter palliativmedizinisch qualifizieren. Job und Ehrenamt gehen bei mir also Hand in Hand.

Was ist Ihre persönliche Essenz aus der Begleitung sterbender Menschen?

VS: Sich ganz zurückzustellen, einfach nur für jemanden da zu sein, den Du nicht kennst, der Dich vielleicht auch nicht mehr richtig wahrnimmt. Ich bin momentan in meiner dritten Begleitung und es ist bei aller Anstrengung ein sehr besonderes Gefühl, die letzten Schritte mitzugehen.

KS: Ich bin für das Leben unendlich dankbar. Menschen bei einem würdevollen Sterben zu begleiten, das ist für mich ein Ja zu diesem Leben.

VS: Übrigens ist es eine Nebenwirkung des Ehrenamtes, dass Du die Scheu verlierst und häufiger mit Familie und Freunden übers Sterben sprichst. Das geht auch an lustigen Abenden und bei einem Glas Wein. Und hinterher kommen wieder andere Themen dran.

KS: Mir ist noch eins wichtig. Ich bin nicht ehrenamtlich tätig, damit ich beruflich etwas davon habe. Insofern glaube ich, dass wir diese Intention hinter den Urkunden durchaus diskutieren sollten.

Der Thüringer Hospiz- und Palliativverband vermittelt Ihnen gerne den Kontakt zu Ambulanten Hospizdiensten, in denen sich junge Menschen ehrenamtlich engagieren.

Der THPV ist der Dachverband für die Hospiz- und Palliativarbeit in Thüringen. Er hat derzeit 48 Mitglieder, darunter alle ambulanten Hospizdienste, alle stationären Hospize für Erwachsene, mehrere Palliativstationen und Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgungsteams. Zu den Auf¬gaben des Verbandes zählt es unter anderem, Hospizbewegung und Palliativversorgung in ganz Thüringen bekannt zu machen, das Netzwerk der zahlreichen Hilfsangebote auszubauen und die Interessen der Mitglieder auf Landes- und Bundesebene zu vertreten. Die Akademie des THPV qualifiziert die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter, die in der Hospiz- und Palliativversorgung tätig sind.

Links
www.hospiz-thueringen.de
www.charta-zur-betreuung-sterbender.de
www.dhpv.de

Das BMFSFJ hat ein Magazin zur Hospizarbeit und Palliativversorgung heraus-gegeben, das jeder bestellen kann:
www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/letzte-wege---wenn-das-leben-abschied-nimmt/135182

Pressekontakt THPV
Iris Hobler
01 71 — 95 45 713
presse@hospiz-thueringen.de

erstellt am 23.04.2019


Pressemitteilung zum 10. Thüringer Hospiz- und Palliativtag

"Ein Netzwerk in wunderbarer Dichte"
Zum 10. Thüringer Hospiz- und Palliativtag kamen 300 Gäste zusammen — und nahmen zahlreiche tiefe Eindrücke mit

Erfurt, 2. September 2018. Es gab keinen freien Platz mehr in der Augustinerkirche: Beim 10. Hospiz- und Palliativtag verbrachten 300 Gäste, die Mehrzahl von ihnen ehrenamtlich in der Hospizarbeit aktiv, den Samstag in klösterlicher Umgebung. Vorträge, Musik und der Austausch untereinander standen auf dem Programm des Tages, zu dem der Thüringer Hospiz- und Palliativverband (THPV e. V.) alle zwei Jahre einlädt.

Dr. Friederike Spengler, Pfarrerin und aktiv im Vorstand des THPV, betonte in ihrer Begrüßung die Bedeutung der Hospizarbeit als einer Bürgerbewegung und dankte den ehren- und hauptamtlich Aktiven für ihren Einsatz. "Durch Sie ist ein Netzwerk in wunderbarer Dichte, beachtlicher Tragfähigkeit und großer inhaltlicher Vielfalt entstanden. Sie sind Multiplikatoren der Vision des THPV: Jeder Mensch in unserem Freistaat soll wissen, dass er nicht alleine ist, wenn es um Sterben, Tod und Trauer geht."

Margit Jung, Vizepräsidentin des Landtags in Thüringen, betonte in ihrer sehr persönlichen Rede ihren großen Respekt für das bürgerschaftliche Engagement in der Hospizarbeit. Professor Winfried Hardinghaus, Vorsitzender im Deutschen Hospiz- und Palliativverband, erläuterte in einigen Thesen, was für Menschen am Lebensende wichtig ist: neben Vorsorge und einem guten Angebot an hospizlicher und palliativer Unterstützung vor allem Nächstenliebe.

Eine Erfahrung grenzenloser Ohnmacht
Höhepunkte des Hospiztages waren zwei Vorträge von Dr. Monika Renz, Leiterin der Psychoonkologie am Schweizer Kantonsspital St. Gallen. Sie thematisierte den Leitgedanken des Hospiztages: Was ist gutes Sterben? "Ist es das plötzliche Sterben, das schmerzlose Sterben, das bewusst erlebte Sterben?" Aus ihrer Erfahrung mit annähernd 1.000 Sterbenden wisse sie, dass Sterben immer individuell sei — "und immer die Erfahrung grenzenloser Ohnmacht und damit das Gegenteil der Hybris menschlicher Machbarkeit". In der Sterbebegleitung, so Renz, sei es zentral, Optionen zu vermitteln. "Der Sterbende kann sich bei aller Ohnmacht zu seinem Sterben doch auch verhalten."
Als eine wichtige Qualität für Hospizbegleiter*innen nannte Renz "das Ankommen in der Sensitivität". Auf die Frage aus dem Publikum, was helfen könne, die eigene Empfänglichkeit zu finden und zu fördern, sagte sie: "Achtsam in der Gegenwart sein, die ganz kleinen Dinge bemerken. Wie fühlt sich mein Atem an, wie eine Berührung? Das Einlassen auf die direkte Erfahrung schärft die Sensitivität: für das eigene Leben, für das Sterben und für die Begegnung mit dem Unfassbaren."

Sterbende sind hörend
Für Renz, die Theologin, Psychologin und Musiktherapeutin ist, spielt die Musik eine zentrale Rolle bei der Sterbebegleitung. "Sterbende sind hörend; oftmals auch dann, wenn sie nicht mehr sichtbar reagieren." Sie vermittelte dem Publikum am Hospiztag einen Eindruck von Klangreisen, leisen Gesängen, den Tönen des Monochords — eine Praxis, die bei vielen Gästen einen tiefen Eindruck hinterließ.

Perfekt passte dazu der musikalische Abschluss des Hospiztages, den der Augustiner-Vocalkreis Erfurt mit a capella Kompositionen gestaltete. Eine Teilnehmerin brachte es beim Verlassen der Kirche auf den Punkt: "So beschwingt und erfüllt von Tönen und tiefen Eindrücken habe ich mich selten gefühlt."

Monika Renz hält am 4. September (19 bis 21 Uhr) in der Erfurter Katholischen Bildungsstätte St. Martin (Farbengasse 2) einen Vortrag über Hoffnungsbilder Sterbender. Anschließend können die Anwesenden mit ihr und dem Moraltheologen Professor Josef Römelt ins Gespräch kommen.

Der THPV ist der Dachverband für die Hospiz- und Palliativarbeit in Thüringen. Er hat derzeit 47 Mitglieder, darunter alle ambulanten Hospizdienste, alle stationären Hospize für Erwachsene, mehrere Palliativstationen und Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgungsteams. Zu den Aufgaben des Verbandes zählt es unter anderem, Hospizbewegung und Palliativversorgung in ganz Thüringen bekannt zu machen, das Netzwerk der zahlreichen Hilfsangebote auszubauen und die Interessen der Mitglieder auf Landes- und Bundesebene zu vertreten. Die Akademie des THPV qualifiziert die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter, die in der Hospiz- und Palliativversorgung tätig sind.

Pressekontakt
Iris Hobler
01 71 — 95 45 713
post@hobler-kommunikation.de
erstellt am 04.09.2018