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Trauer ist ein ähnlich tabuisiertes Thema wie Sterben und Tod. Trauernde Menschen - und in besonderem Maße diejenigen, deren Trauer Komplikationen aufweist, leben in einer psychischen Ausnahmesituation, die gekennzeichnet sein kann durch Hoffnungslosigkeit, Depression, Aggression und die Angst davor, "verrückt" zu werden.

Sich gegenseitig "unterstützende" Faktoren begünstigen die Gefahr, in eine soziale Ausgrenzungssituation zu geraten. Zu diesen Faktoren zählen neben der Sprach- und Hilflosigkeit von Verwandten, Freunden, Bekannten oder Kollegen die besondere psychische Verfassung der Betroffenen selbst, fehlende soziale Netzwerke und Trauerriten, sowie das immer noch weit verbreitete Misstrauen gegenüber professioneller, auch psychologischer Unterstützung.

Obwohl es Beratungsangebote verschiedener Einrichtungen und, bedingt durch das neue Psychotherapeutengesetz, einen erleichterten Zugang zu Psychotherapien gibt, bleiben trauernde Hinterbliebene als Klientel überwiegend aus. Sie sehen sich nicht als Adressaten dieser Angebote und fühlen sich durch die allgemein formulierten Angebote nicht ange-
sprochen. Sie empfinden sich nicht als Klient und noch weniger als Patient. "Die Annahme eines psychotherapeutischen Hilfeangebotes kann bei der immer noch weitverbreiteten Angst vor Psychotherapie und Psychiatrie in großen Teilen der Bevölkerung ein Eingeständnis des `Verrücktseins` bedeuten, was Trauernde in jedem Fall vermeiden wollen. Verstärkt durch die der Trauer gegenüber bestehende Tabuisierung des Themas und die verbreitete Stigmatisierung der Trauernden kommt es zu einem starken Widerstand gegen die Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe" (vgl. Jerneizig u.a.: Leitfaden zur Trauertherapie und Trauerberatung. Göttingen 1994, S.11f.).

Dennoch wünschen sich Trauernde einen besseren Umgang mit dem Verlustschmerz und suchen Unterstützung. Eine wichtige Anlaufadresse in dieser Zeit sind die behandelnden Hausärzte. "Leider sind viele Hausärzte - bedingt durch übervolle Praxen und unglückliche Abrechnungsschlüssel der Krankenkassen - bei einer begleitenden Hilfestellung überfordert. Sie haben nicht die Zeit, manchmal auch nicht das nötige Wissen über trauerspezifische Probleme, um die Trauernden in hinreichender und angemessener Weise betreuen zu können. So beschränkt sich die Behandlung in der Regel auf die Verschreibung von Beruhigungsmitteln, was zudem einem Bedürfnis der Trauernden entgegen kommt" (ebd. S. 13).

Trauer ist keine Krankheit, jedoch kann Trauer krank machen, wenn erforderliche Hilfe und Unterstützung versagt bleibt. Benötigen Hinterbliebene in Ihrer Trauer professionelle Unterstützung, ist es wichtig, möglichst frühzeitig ein entsprechendes Angebot zugänglich zu machen.
 
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